250 Jahre Musikverlag und Musikhaus André

Vom Stein aufs Blatt

Rundgang mit 9 Stationen

1799 erwirbt Johann Anton André die Nutzungsrechte an der Lithographie von Alois Senefelder – zur selben Zeit, in der er den Mozart-Nachlass kauft. Der Rundgang folgt dem Steindruck von den ersten Drucken im Jahr 1800 über die langsame Umstellung der Notenproduktion bis zu den Steinplatten, die 1989 bei Tiefbauarbeiten in Offenbach gefunden werden. Am Ende stehen die Titelblätter des Verlags, die 2024 das Gestaltungsbüro turbo type und die Ausstellung zum Festjahr beschäftigen.

  1. Station 1 Nutzungsrechte an der Lithographietechnik 1799

    1799 erwirbt Johann Anton André von Alois Senefelder die Nutzungsrechte an der Lithographietechnik. Der Münchener Erfinder, zwei seiner Brüder und ein weiterer Mitarbeiter leben seit 1799 für etwas mehr als zwei Jahre in Offenbach, auf Kosten des Verlegers. André investiert dafür nicht weniger als 10 000 Gulden, die Sachkosten nicht eingerechnet.

  2. Station 2 Erster lithographischer Notendruck 1800

    1800 erscheint der erste lithographische Notendruck der Notenfabrique André: Johann Andrés „Die Weiber von Weinsberg“. Die dafür verwendbaren Steine gibt es nur im mittelfränkischen Solnhofen; sie kommen auf dem Land- und Wasserweg nach Offenbach, jeder mindestens fünf Kilo schwer.

  3. Station 3 Erste lithographierte Mozart-Erstausgabe 1800

    1800 treffen Steindruck und Mozart-Nachlass zusammen: Mit den „Cinq Divertissemens pour deux Hautbois, deux Cors et deux Bassons“ erscheint die erste lithographierte Mozart-Erstausgabe, Verlagsnummer 1504. Axel Beer hält für vorstellbar, dass André beim Steindruck auch rechtliche Gründe im Blick hat, denn die Privilegien zielten auf die Herstellungsweise.

  4. Station 4 Herstellung und Ausstattung der Notendrucke 1800

    Axel Beer rückt das Bild vom schnellen Durchbruch zurecht: Erst seit 1812 läuft die gesamte Notenproduktion des Hauses André über die Lithographie. Statt einer Person braucht es nun zwei Spezialisten, die Auflagen ändern sich nicht, und seit den 1850er Jahren erscheinen wieder reichlich Ausgaben in der altbewährten Technik des Notenstichs.

  5. Station 5 Dirigierbuchstaben 1805

    Während die Umstellung auf den Stein noch läuft, ändert sich auch das Notenbild: 1805 führt Johann Anton André Dirigierbuchstaben ein, große Buchstaben über einzelnen Stellen der Notensysteme. Die Abbildung zeigt ein späteres Beispiel, eine Stimme für die erste Violine mit der Verlagsnummer 3877.

  6. Station 6 Fund historischer Steindruckplatten 1989

    1989 werden bei Tiefbauarbeiten in Offenbach historische Lithographie-Steindruckplatten gefunden. Sie zeigen das Material, von dem der Steindruck abhängt: schwere Steine, die vor wie nach der Nutzung gelagert werden müssen. Auch in der Familie sind solche Steine präsent – Moritz André erzählt, dass sein Vater den Kindern 200 Jahre alte Lithographie-Steine zeigte.

  7. Station 7 Im Gespräch mit turbo type 2024

    Laura Brunner und Leonie Martin vom Gestaltungsbüro turbo type gestalten das Programmbuch zum Jubiläumsjahr, angeregt vom alten Notenlager unter dem Dach des Musikhauses André. Beim Stöbern durch die Notenhefte erleben sie eine „typografische Zeitreise“: Schriften vieler Epochen, kalligrafische Schwünge und viele Buchstaben, die in den Drucksachen von Hand gezeichnet sind.

  8. Station 8 250 Jahre Musikverlag Johann André 2024

    Vom 5. Juli bis 25. August 2024 zeigt das Haus der Stadtgeschichte Offenbach die Ausstellung zum Festjahr. Sie ruft, so Axel Beer, in Erinnerung, dass Herstellung und Vervielfältigung von Noten ein keineswegs nur mechanischer Akt sind – und dass neben den Komponisten auch der Notenstecher, der Steinschreiber und die Drucker zu diesem System gehören.

  9. Station 9 24 Titel aus rund 18 000 2024

    Die Titelwand der Ausstellung zeigt eine Auswahl aus rund 18 000 Verlagswerken von 1799 bis 1941, beginnend mit Vignetten in Stich und Lithographie um 1800. Oben steht Joseph Fialas „Trois Duos“ von 1799: gestochene Schrift und eine kleine Landschaft mit Haus und Bäumen. Solche Landschaften beschreibt Axel Beer als charakteristisch für die André-Titel seit den 1790er Jahren.

Die Zeitleiste der Ausstellung steht heute zusammen mit einigen Originalexponaten in der Dauerausstellung des Hauses der Stadtgeschichte. Vom Mozart-Nachlass, der zur selben Zeit wie der Steindruck nach Offenbach kommt, erzählt der Rundgang „Mozart in Offenbach“.

Zitiervorschlag Rundgang „Vom Stein aufs Blatt“. In: André 250 – Der Klang der Zeitkapsel. Stadt Offenbach am Main, 2024 ff. https://www.andre250.de/rundgaenge/vom-stein-aufs-blatt/ (Abruf: Datum).