250 Jahre Musikverlag und Musikhaus André

In zehn Stücken durch 250 Jahre

Rundgang mit 10 Stationen

Seit 1774 führt die Familie André in Offenbach ihr Unternehmen, zuerst vor allem als Musikverlag, heute als Musikhaus – inzwischen in achter Generation. Zehn Stücke führen in der Reihenfolge der Zeit durch diese Geschichte, von der Familienbibel eines Glaubensflüchtlings bis zur Ausstellung im Festjahr 2024. Unterwegs liegen die großen Wendepunkte: die Gründung, Mozarts Handschriften, der Steindruck, der Klavierbau und das Archiv.

  1. Station 1 Familienbibel von 1588

    Die Geschichte beginnt lange vor der Firma. In dieser Bibel von 1588 hält Gilles André handschriftlich seine Flucht fest: Als Hugenotte – so nennen sich die Protestanten in Frankreich – verlässt er 1687 Südfrankreich und kommt über Genf ins Rhein-Main-Gebiet. 1709 lässt er sich mit seiner Familie in Offenbach nieder.

  2. Station 2 Firmengründung Notenfabrique André 1774

    Mit diesem Buch beginnen die 250 Jahre: Das allererste Rechnungsbuch der Firma setzt ein mit „Mit Gott! Offenbach, den 1ten August 1774.“ Johann André führt bis dahin die Seidenfabrik seines Vaters und gründet nun die „Notenfabrique André“. Ein solcher Musikverlag sorgt dafür, dass Musik vom Schreibtisch des Komponisten auf die Notenpulte kommt.

  3. Station 3 Erwerb von 273 Mozart-Notenhandschriften 1800

    1799 übernimmt Johann Anton André mit 24 Jahren den Verlag seines verstorbenen Vaters. Noch im selben Jahr reist er nach Wien und kauft von Mozarts Witwe Constanze 273 Handschriften, die Mozart eigenhändig geschrieben hat. Im Frühjahr 1800 erreichen sie in 15 versiegelten Paketen Offenbach.

  4. Station 4 Erste lithographierte Mozart-Erstausgabe 1800

    Diese Mozart-Erstausgabe ist vom Stein gedruckt. Das Verfahren heißt Lithographie oder Steindruck, erfunden hat es der Münchener Alois Senefelder; Johann Anton André nutzt es ab 1800 als erster Musikverleger planmäßig. Der Vermerk „Edition d’après l’original de l’auteur“ auf dem Titelblatt zeigt, dass Mozarts eigene Handschrift als Vorlage diente.

  5. Station 5 Die Frankfurter Filiale C. A. André 1828

    1828 eröffnet Carl August André, ein Sohn Johann Anton Andrés, in Frankfurt die Musikalienhandlung C. A. André, die Frankfurter Filiale des Hauses; zum Geschäft gehört auch eine Musikinstrumentenhandlung. 1844 kommt eine Klavier-Reparaturwerkstatt hinzu, ab 1853 baut die Firma eigene Instrumente, darunter den „Mozart-Flügel“. Ihr Sitz ist bis 1872 das Haus „Mozart“.

  6. Station 6 Stammbaum der Familie André 1891

    Der Stammbaum wird 1891 gezeichnet und beginnt mit Gilles André, der 1687 als Glaubensflüchtling aus Südfrankreich aufbricht. Bis heute wird er von Hand weitergeführt. Seit 1774 führt die Familie André das Unternehmen – inzwischen in achter Generation.

  7. Station 7 Haupt-Katalog des Musikalien-Verlags 1900

    Am 1. Januar 1900 erscheint der Haupt-Katalog des Verlags. Bis dahin sind bei André rund 16 000 Werke erschienen, insgesamt werden es rund 18 000 – vom kleinen Lied bis zur Sinfonie. Die Mozart-Erstausgaben sind davon nur ein Bruchteil.

  8. Station 8 Standorte des Verlags 1923

    1923 übernimmt Hans André die Firma, und der Verlag zieht aus der Domstraße in das 1900 gebaute Haus an der Frankfurter Straße 28. Im Zweiten Weltkrieg zerstören Bomben 1943 die Druckerei in der Domstraße; 1944 trifft es auch das Frankfurter Haus am Steinweg 7. Das Musikhaus André ist bis heute an der Frankfurter Straße 28.

  9. Station 9 Beginn der wissenschaftlichen Archivarbeit 1972

    Ab 1971 führt Ute-Margrit André die Firma mit ihrer Tante Elfriede und beginnt, das historische Verlagsarchiv für die Musikwissenschaft auszuwerten. 1972 nimmt der Musikwissenschaftler Klaus Hortschansky dort die Arbeit auf. Das Archiv umfasst einen Großteil der rund 18 000 Verlagswerke, dazu Geschäftsbücher und Briefe aus früheren Jahrhunderten.

  10. Station 10 250 Jahre Musikverlag Johann André 2024

    Genau 250 Jahre nach der Gründung widmet sich die Stadt Offenbach 2024 mit Konzerten, Lesungen und Führungen den historischen Erstdrucken des Verlags. Im Mittelpunkt steht die Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte vom 5. Juli bis 25. August 2024. Das Unternehmen leitet heute Moritz André, die achte Generation.

Die Zeitleiste der Ausstellung steht heute mit einigen Originalexponaten in der Dauerausstellung des Hauses der Stadtgeschichte. Einzelne Kapitel vertiefen die Rundgänge „Mozart in Offenbach“, „Vom Stein aufs Blatt“ und „Von Gilles bis Moritz“.

Zitiervorschlag Rundgang „In zehn Stücken durch 250 Jahre“. In: André 250 – Der Klang der Zeitkapsel. Stadt Offenbach am Main, 2024 ff. https://www.andre250.de/rundgaenge/in-zehn-stuecken-durch-250-jahre/ (Abruf: Datum).